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Richtig atmen beim Laufen

Richtig atmen beim Laufen
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Die Frage nach der richtigen Atmung beim Laufen wird mir gerne von Laufanfängern gestellt. Ob es einen optimalen Rhythmus gibt, zum Beispiel drei Schritte einatmen und drei Schritte ausatmen?

Ich frage mich, woher die Idee vieler Läuferinnen und Läufer kommt, dass man beim Laufen auf etwas bewusst achten muss, was auch sonst ganz automatisch geschieht? Wer fünf Stunden wöchentlich läuft, trainiert ungefähr in drei Prozent der Wochenstunden. Das heißt in 97 Prozent der Wochenzeit machen wir Läufer uns über unsere Atmung keine Gedanken, lassen sie einfach geschehen. Aber beim Laufen möchten manche diese regulieren. Ein großer Fehler, wie ich nachfolgend erklären werde.


Richtig atmen beim Laufen

Das Nervensystem

Das Nervensystem kann man hinsichtlich seiner Abläufe grob in „willkürlich“ und „unwillkürlich“ einteilen, besser bekannt als somatisches und vegetatives Nervensystem.

Das somatische Nervensystem, auch animales Nervensystem genannt, bezeichnet das Nervensystem von Menschen und Wirbeltieren. Man grenzt es gegenüber dem der Pflanzenwelt (Vegetation) ab. Es ist für bewusste Handlungen verantwortlich, wie die dem Willen unterworfene Motorik. So greift der Mensch einen Stein, weil er ihn greifen will. Der Wille steuert über die Nerven die Muskulatur.

Das vegetative Nervensystem dient zur inneren Selbstregulation der lebenswichtigen Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten erlaubt die Natur hier keinen Eingriff des Willens. Auch andere Organe oder Organsysteme werden größtenteils vegetativ gesteuert, beispielsweise die Schweißdrüsen oder die inneren Augenmuskeln. Der Mensch kann mit bloßem Willen den Blutdruck und den Herzschlag nicht steigen lassen oder die Verdauung anregen. Diese Funktionen geschehen also unwillkürlich. Das vegetative stellt zusammen mit dem somatischen Nervensystem eine funktionelle Einheit dar.


Die Atmung wird vegetativ gesteuert

Das vegetative Nervensystem steuert alle lebenswichtigen Funktionen, zu der auch die Atmung gehört. Es gehorcht alleine der in mehreren Millionen Jahren Evolution eingespielten Funktionsweise aller Organe. So kann der Mensch bis zu einem gewissen Maße bestimmen wie schnell er läuft, die Versorgung der Organe mit Energie und Sauerstoff läuft aber völlig automatisch. Jeder willkürliche Eingriff in eigentlich unwillkürlich gesteuerte Funktionen, zum Beispiel die bewusste Umsetzung eines Atemrhythmus, stört das Zusammenspiel der Organe.

Dies habe ich zu Anfang meiner Arbeit als Leistungsdiagnostiker an meinen Kunden immer wieder beobachten können. Früher ließ ich während eines Laufbandstufentests mit Laktatmessung die Herzfrequenz meiner Kunden für diese erkennbar anzeigen. Ich beobachtete, dass einige ihre Herzfrequenz durch einen einstudierten Atemrhythmus steuern, das heißt senken wollten. Der Versuch ging jedoch immer nach hinten los, die Herzfrequenz war erhöht. Durch die gestörte Atmung war die Sauerstoffversorgung der Muskulatur über den Blutkreislauf nicht optimal. Das Herz musste als Folge häufiger pumpen, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Wiederholungstests unter gleichen Bedingungen, aber ohne willkürlich versuchte Regulierung der Atmung, machten dies auch für meine Kunden offensichtlich. Seither lasse ich beim Test die Herzfrequenz nicht mehr anzeigen sondern messe diese ohne kontrollierende Blicke, spreche das Thema Atmung aber gerne an.


Mein Fazit

Jeder Mensch sollte auch beim Sport dem Atem freien Lauf lassen und der Selbstregulation seines Nervensystems vertrauen. Damit gehören Ratschläge zu einem fixen Atemrhythmus zu meinen „Top Ten der schlechtesten Lauftreff-Tipps “.

Weiterhin viel Freude am Laufen wünscht,

Ihr Andreas Butz

www.andreasbutz.com

By the way: Lust außer Atem zu kommen?

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