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Ist Marathonlaufen Extremsport?

Ist Marathonlaufen Extremsport?
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Was extrem ist, bestimmt die Ausgangssituation des Betrachters. Für einen übergewichtigen Nichtsportler ist die Vorstellung, zehn Kilometer zu laufen, extrem. Wer dreimal pro Woche zehn Kilometer läuft, wird von seinen Kollegen in der Firma schon mal als laufsüchtig bezeichnet. Für erfahrene Hobbyläufer ist ein Halbmarathon gut denkbar, ein Marathon hingegen oft jenseits der Vorstellungskraft. Für leidenschaftliche Marathonläufer stellen Alpinmarathons mit 2000 Höhenmetern und Ultramarathons über 70 Kilometer eine neue Herausforderung dar, ein 100 Kilometerlauf ist für viele aber die Grenze des menschlich Möglichen. Und 100-Kilometerläufer betrachten mit Respekt und manchmal Kopfschütteln 24-Stundenläufer, die an einem Tag und in einer Nacht 200 Kilometer oder mehr erreichen. Ist das noch normal? Ist Marathon wirklich schon Extremsport? Manche Ultraläufer laufen sogar sechs Tage lang um die Wette und erreichen in diesen 144 Stunden Distanzen von über 800 Kilometern. Die 3000-Meilenläufer alljährlich in New York haben dann noch 4000 Kilometer vor sich. Extrem?


Täglich laufen - geht das?

Der Mensch ist ein Lauftier. Wer nicht täglich im Schnitt 20 Kilometer läuft, lebt gegen seine Natur. Fast alle Menschen leben wider ihre Veranlagung, sitzen stundenlang in stickigen Großraumbüros vor Computer-Bildschirmen statt an der frischen Luft laufend nach Nahrung zu suchen. Zivilisation nennen wir das und die sorgt diversen Studien zufolge für circa 700 Meter Bewegung und über dreieinhalb Stunden Fernsehkonsum täglich. Das nenne ich extrem. (Siehe auch: Schadet es, wenn man täglich läuft?)

Die Läufer des Transeuropalaufs 2009 von Sizilien zum Nordcap bewältigten in 64 Tagen 4490 Kilometer. Sie liefen dafür täglich im Schnitt 70 Kilometer. Eine beeindruckende Leistung die mich zum zweiten Thema überleitet: Einen Marathon als Trainingsmarathon laufen.


Und was ist ein Trainingsmarathon?

Es gibt keine plausible Erklärung dafür, warum ein Trainingslauf nicht länger als 35 Kilometer oder drei Stunden sein darf. Manfred Steffny empfiehlt in seinem Buch-Klassiker „Marathon“ sogar das erfolgreiche Finish eines 100-Kilometerlaufs bevor man sich an die Marathonstrecke wagt. Wer genug Lauferfahrung hat, kann ganz beruhigt auch einen Marathon als Trainingslauf machen. Der Vorteil: Man ist nicht alleine, die Strecke ist ausgewiesen und spätestens alle 5 Kilometer reichen freundliche Helfer stärkende Getränke. Auf diese Weise kommt der 100-Marathon-Club in Hamburg monatlich zu neuen Mitgliedern.

Allein das Tempo macht einen Marathon zu einem Trainingsmarathon. Dieses sollte mindestens 45, besser 60 Sekunden langsamer sein als aktuell im besten Fall möglich. Das entspricht dem zügigen beziehungsweise mittleren Dauerlauftempo. Wer den Marathon in 3:30 Stunden laufen kann, könnte demnach in der Vorbereitung auf das nächste Saisonhighlight, das in persönlicher Bestzeit gelaufen werden soll, einen oder mehrere Trainingsmarathons in 4:15 Stunden einplanen. Für einen 4-Stundenläufer gilt gleiches in 4:45 Stunden. Voraussetzung für solch lange Läufe ist natürlich, dass man vorher bereits viele lange Dauerläufe über 30 bis 35 Kilometer gelaufen ist. Mehr dazu im Artikel "OLaLa - Der optimale lang Lauf".


Zusammenfassend bleibt festzuhalten:

Was Extremsport ist, liegt im Auge des Betrachters. Die wenigsten Leute erfahren, wozu sie tatsächlich in der Lage sind. Es wäre interessant zu erfahren, wie Ihre Meinung dazu ist. Nutzen Sie dafür doch das Kommentarfeld.

Herzlichst,

Ihr Andreas Butz


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem E-Book "Die besten Marathontipps, die in keinem Laufbuch stehen"

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