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Glück - Warum Laufen glücklich macht

Glück - Warum Laufen glücklich macht
von vor 20 Tagen 674 mal angesehen Keine Kommentare

Seit mir meine Frau am Heiligen Abend 1993 eine Körperwaage geschenkt hat laufe ich. Das ich bei dieser Bescherung wirklich glücklich war, glaube ich nicht. Doch war dies – im Nachhinein betrachtet – ein bedeutender Glücksmoment in meinem Leben. Denn meine Reaktion auf diese unmissverständliche Botschaft, ich sei zu dick, war Laufen.

Und dieses Laufen schenkt mir auch Jahrzehnte später noch so viel Glück, dass ich meine Glücksgefühle mit Ihnen teilen möchte, Glücksgefühle beim und durch Laufen. Und auch wenn dieser Ratgeber für Anfänger und Wiedereinsteiger geschrieben wurde, so werde ich nicht umhinkommen Ihnen mit manchen Mosaiksteinen des Laufglücks einen Ausblick zu geben, der zugegeben manchmal noch weit weg ist, aber erreichbar, wenn Sie sich nur darauf einlassen.

Das ABC des Lauf-Glücks

A – Anfang

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, das wusste schon Hermann Hesse. Und jeder Marathon beginnt mit dem ersten Schritt, das möchte ich Ihnen frei nach Konfuzius mitgeben. Sei es für Laufanfänger der Beginn der Laufkarriere, oder der Startschuss bei einem Marathonlauf, wer beginnt ist schon auf dem Weg zum Ziel.

B – Berge

Mein Lieblingsmarathon ist der Zermatt-Marathon. Vom tiefsten Tal der Schweiz zum schönsten Berg der Welt, dem Matterhorn. Wer hier läuft, der läuft nicht wegen Zeiten und Platzierungen, der läuft wegen der unglaublichen Schönheit der Natur. Aber man kann den Zermatt Marathon auch zu zweit als Staffel laufen oder wiederum allein als Halbmarathon.

C – Champion

Zum Besonderen des Laufsports gehört auch, dass Hobbyläufer mit der Weltelite gemeinsam am Start stehen können. Das gibt es in keiner anderen Sportart. Und wer die wahren Champions sind, die Spitzensportler oder die Neulinge, darüber wird nicht gestritten. Wir finden die Leistung von Spitzensportlern beeindruckend und die Siegläufer finden die Leistung von uns Hobbyläufern heroisch, die neben der Arbeit und privaten Verpflichtungen noch die Zeit finden mehrfach die Woche die Laufschuhe anzuziehen.

D – Dusche

Es gibt nichts Besseres als die Dusche danach. Wie oft haben Sie sich nach dem Sport besser gefühlt als vorher? Ich denke spätestens unter der Dusche „Haste mal wieder den Schweinehund besiegt. Andreas, bist ein toller Typ.“ Unter der Dusche kommt das Glücksgefühl über das beim Training mal wieder Geleistete.

E – Erfolge

Erfolgreich wird man durch selbsterlebte Erfolge. Und nirgends ist es so einfach Erfolge zu sammeln wie beim Laufen. Mit dem Laufen angefangen? Erster Erfolg. Vier Wochen lang das Training durchgezogen? Nächster Erfolg. Die ersten durchgelaufenen 60 Minuten oder 10 Kilometer, weitere große Erfolge. Ein Halbmarathon, ein Marathon, eine neue persönliche Bestleistung, das Laufen bietet so viele Glücksmomente durch selbsterlebte Erfolge.

F – Freunde

Glücksforscher haben es schon oft herausgefunden. Wahres Glück hat wenig mit Geld und anderem Reichtum zu tun. Das tiefste Glück ziehen Menschen aus guten Beziehungen. Wir Läufer haben das Glück sehr leicht neue Freundschaften zu schließen, mit Lauffreunden. Beim Laufcampus Laufkurs, im Verein, beim gemeinsamen Schlussspurt am Brandenburger Tor. Ein gutes Gespräch beim langen Lauf ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

G – Gesundheit

Wenn Ärzte könnten, sie würden ihren Patienten das Laufen verschreiben. Laufen unterstützt die Selbstheilungskräfte und beugt fast allen Zivilisationskrankheiten vor. Ein um 6 Jahre längeres Leben, das haben die Forscher der Kopenhagener Herzfrequenzstudie herausgefunden, können sich Menschen durch 90 bis 120 Minuten wöchentliches Jogging erlaufen. Allein über die positiven Effekte auf die Gesundheit von A, wie Abnehmen bis Z, wie Zellen (Muskelzellen) könnte ich ein eigenes Lauf-ABC schreiben. Soll ich?

H – Hormone

Es ist nachgewiesen, dass Läufer Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol schneller abbauen. Serotonin, das Hormon der Gelassenheit, sorgt schon nach 30 bis 40 Minuten lockerem Laufen für Entspannung. Und die beim Laufen getankten Glücksmomente sieht man den Menschen an. Sie wirken entspannter, gelassener und selbstzufriedener. Daher werden heute psychische Erkrankungen wie Depression und Burnout immer häufiger mit Laufen therapiert. Auch die Glückshormone Dopamin und Endorphine leisten hierbei eine tolle Arbeit.

I – Investition

Laufen ist günstig. Ein paar gute Schuhe und fertig. Am Anfang reichen sogar Baumwollshirt und die Jogginghose – man merke und stolpere darüber – Jogginghosen waren ursprünglich zum Joggen gedacht. Die Investition die ich meine ist keine finanzielle. Es ist eine viel größere, es ist die Bereicherung Ihres Lebens. Fragen Sie leidenschaftliche Läufer, viele werden Ihnen bezeugen, nichts hat ihr Leben mehr zum Guten verändert als der Beginn der Hobbylauferei. Drum laufen Sie.

J – Jubel

Bei meinen Laufcamps auf Mallorca üben wir sogar das Jubeln. Ist kein Scherz, sondern ernst gemeint, denn wer will beim 10 Kilometerlauf in Palma schon ein Zielfoto mit nach unten gesenktem Blick beim Drücken der Stopp-Taste der Sportuhr. Und darum reißen wir beim Lauftraining immer wieder mal die Arme hoch und stellen uns vor, wie wir beim oder nach dem Zielsprint gesehen und fotografiert werden wollen.

K - Kreativität

Die besten Ideen kommen mir beim Laufen. Möglicherweise haben Sie das auch schon mal beim Wandern erlebt. Da geht man mit einem ungelösten Problem in den Wald – ursprünglich um mal wieder abzuschalten – und plötzlich ist sie da, die plötzliche Eingebung, die Lösung des Problems. Hat viel mit dem Sauerstoff zu tun, den wir beim Laufen tanken, der besseren Versorgung des Gehirns mit Energie und den Synapsen, die sich durch regelmäßiges Ausdauerlaufen zwischen den Gehirnzellen bilden. Gute Ideen beim Laufen, das klappt fast immer, probieren Sie es aus.

L – Lauftier

Warum Laufen bei uns so wirkt, hat niemand prägnanter formuliert als der tschechische Ausnahmeläufer Emil Zatopek, Gewinner diverser olympischer Medaillen zwischen 5000 Metern und Marathon. „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“. Ja, Laufen liegt in unserer Natur, aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Der Mensch ist das ausdauerndste Lauftier der Welt. Zu was der Mensch laufend in der Lage ist, ist nur mit der Leistung von Zugvögeln zu vergleichen. Hinsichtlich unserer Ausdauer sind wir allen anderen Lauftieren überlegen.

M – Marathon

Als über 140-facher Marathonläufer kann ich bei M unmöglich Motivation wählen, obgleich der Marathon für mich immer wieder als Motivationsquelle dient. Was mir am Marathonlaufen ganz besonders gut gefällt, und dies möchte ich mit Ihnen teilen, ist dass allein das Ankommen zählt, die Zeit eigentlich sekundär ist. Eine Kundin von mir, eine Professorin aus München, hat es daher so gemacht: Erst hat sie sich für den New York City Marathon angemeldet, dann erst hat sie mit dem Laufen angefangen. Was denken Sie, war ihre größte Leistung? Das 18-monatige Lauftraining? Der Gewichtsverlust, von 110 auf 70 Kilogramm? Oder ihre Marathonzeit von 6:30 Stunden?

N – Natur

Bei E wollte ich auch Eichhörnchen nehmen, meine Lieblingstiere und bei W den Wald, in dem ich es liebe zu laufen. Daher fasse ich all diese wahnsinnigen Glücksmomente, die mich beim Laufen in der freien Natur oft übermannen, hier zusammen: Natur ist geil! Damit ist alles gesagt, Punkt.

O – Orientierungslauf

Einen Orientierungslauf habe ich selbst noch nicht gemacht, wohl aber einen belgischen Meister aus dieser Disziplin trainiert. Gelaufen wird mit Karte querfeldein, es ist ein ganz besonderes Lauferlebnis mit nationalen und internationalen Meisterschaften. Orientierungslauf soll an dieser Stelle aber nur stellvertretend für die Vielfalt des Laufens stehen und damit auch für Firmenläufe, Frauenläufe, Hindernisläufe, Parcours, Trailrunning, Retro Running (Rückwärtslaufen) und so vieles ist mehr. Sie kennen Menschen die denken Laufen sei langweilig? Haben die eine Ahnung…

P – Persönlichkeit

Laufen ist Teil unseres Lebensstils und formt damit die Persönlichkeit. Laufen macht etwas mit uns, es weitet unseren Horizont, schärft unsere Wahrnehmung und verändert unser Denken. Und als Sportler haben wir ein anderes Selbstwertgefühl und bei Dritten ein anderes Standing als Nichtsportler. Daher schicken Sie auch Ihre Kinder in den Sportverein – am liebsten zur Leichtathletik – und beobachten Sie, was Trainingsfleiß, ständiges Wiederholen, sowie Niederlagen und Erfolge mit ihnen machen. Ich bin mir sicher: stärkere Persönlichkeiten.

Q – Quelle

Laufen ist eine unerschöpfliche Quelle für ganz vieles was wir suchen. Für Gelassenheit, Kraft, Erneuerung, Gesundheit, Inspiration und, und, und. In meinem Notizbuch steht unter Q auch Qualität, womit ich die Lebensqualität meine, die mir als Sportler immer wieder bewusst wird.

R – Regen

"Sonnenschein ist köstlich, Regen erfrischt, Wind kräftigt, Schnee erheitert. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur verschiedene Arten von Gutem“, das wusste schon der britische Schriftsteller John Ruskin und mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Und wer noch nicht bei Regen laufen war, dem wünsche ich einen lauen Sommerregen oder einen heftigen Herbstregen und eine zufriedene Dusche danach.

S – Schlaf

Nach sportlicher Anstrengung ist das Einschlafen zufriedener. Und der gesunde Läufer-Schlaf ist viel tiefer als der Sportmuffel-Schlaf. Eine gute Nachtruhe funktioniert ganz besonders gut, wenn Laufsport und Abendessen nicht zu spät erfolgen und vor dem Zubettgehen PC und TV ausbleiben und zum Eindösen Laufbücher als Bettlektüre gewählt werden. Dann sind auch die schönen Träume vorprogrammiert.

T – Tun

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Diese Empfehlung von Erich Kästner möchte ich so manchem zurufen, gerade denen die sich noch auf dem Weg zum Laufanfänger befinden.

U – Unschätzbar

Unschätzbar wertvoll ist die Zeit, die Sie sich für sich selbst nehmen. Tragen Sie daher Trainingstermine als Termine mit sich selbst in den Terminkalender ein. Verschieben erlaubt, löschen verboten. Quality Time nennen manche diese Auszeiten, in denen Sie nur für sich selbst da sind und in ihr eigenes Wohlbefinden investieren. Laufen ist so unschätzbar viel mehr Wert als nur die Kilometer die Sie ins Trainingstagebuch eintragen.

V – Verbesserung

Leistungsverbesserungen sind (leicht) möglich. So hatte ich auch noch nie einen Kunden zur Leistungsdiagnostik, der sich nicht verbessern konnte. Dazu muss ich der Fairness halber eingestehen, dass meine Idole, der Äthiopier Haile Gebrselassie oder auch der Kenianer Eliud Kipchoge, noch nie bei mir zur Trainingsberatung waren. Doch unter uns Hobbyläufern kenne ich niemanden, der sich nicht durch eine bessere Trainingssteuerung, eventuell auch etwas mehr Trainingsfleiß, ergänzendes Athletiktraining und/oder auch eine gesündere Ernährung verbessern könnte. Die Wahrheit ist vielmehr, dass kaum ein Hobbyläufer jemals erlebt, was er eigentlich in der Lage wäre zu leisten. Mit diesem Satz möchte ich Sie kitzeln, denn eine Verbesserung des eigenen Leistungsvermögens macht auch glücklich.

W – Wellness

Ein Guten-Morgen-Lauf kann eine perfekte Wellnessmaßnahme und damit der optimale Start in den Sonntag sein. Ganz ohne Reiki, Aroma- oder Lichttherapie kann ein lockerer Lauf im SSL-Tempo – dem Supersauerstofflaufbereich zwischen 66 und 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz – wahre Wunder für Ihr Gemüts- und Gesundheitsempfinden bewirken. Da reichen schon 40 Minuten. Nur locker und lächelnd sollte Ihr Laufstil sein. Und das funktioniert auch samstags.

X-Beine

Zugegeben, bei X habe ich mich schwergetan. Doch möchte ich die Gelegenheit dieses Stichwortes dazu nutzen Ihnen zu versichern, dass X-Beine oder die meisten anderen körperlichen Besonderheiten, wie Hüftschiefstand, Beinlängendifferenz, Senk-, Platt- oder Spreizfuß kein Hindernisgrund für gesundes Laufen sind. Ganz im Gegenteil, viele Erkrankungen des Bewegungsapparates resultieren aus mangelnder Bewegung und Unterforderung und man bekommt sie sehr gut durch ein regelmäßiges Laufprogramm wieder in den Griff.

Y – Young

Forever Young ist ebenso völliger Blödsinn wie Anti Aging. Ja, wir werden älter und auch meine rund 3600 Laufkilometer pro Jahr verhindern nicht, dass ich auf der Straße von Jugendlichen gesiezt werde. Doch was wir durch Laufen erreichen können, ist deutlich jugendlicher zu wirken und – vom biologischen Alter her – messbar auch zu sein, als die meisten Nichtsportler in unserem Alter. Laufen ermöglicht definitiv ein Better Aging.

Z – Zufriedenheit

Das Gefühl, für mich etwas tun zu können, mein Leben sportlich zu gestalten, ja das macht mich zufrieden. Die Natur im Laufe der Jahreszeiten erleben zu dürfen, das macht mich glücklich. Bei großer Anstrengung im Wettlauf mit anderen meinen Körper, meinen Herzschlag und meine Leistungsfähigkeit zu spüren, auch das macht mich zutiefst zufrieden. Und all diese Erlebnisse und intensiven Gefühle wünsche ich auch Ihnen. Drum laufen Sie.

Und glauben Sie mir bitte, es ließen sich viel mehr Gründe anführen, warum Läufer glückliche Menschen sind. Wie sieht Ihr persönliches ABC des Lauf-Glücks aus?

Herzlichst,

Ihr Andreas Butz