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Optischer Pulssensor Polar OH1 im Test

Optischer Pulssensor Polar OH1 im Test
von vor 3 Monaten 8186 mal angesehen Keine Kommentare

Die Herzfrequenz-Messung mit Herzfrequenz-Sensor ist immer noch der Gold-Standard der Leistungsmessung und Protokollierung, aber der optischen Puls-Messung mit LED-Sensoren gehört sicher die Zukunft.

Bevor ich weiter unten erkläre, warum ich den Puls-Sensor Polar OH1 für ein sehr empfehlenswertes Produkt halte, möchte ich Sie nochmal in dieses so sensible und leidenschaftlich diskutierte Thema einführen.

Knackpunkt Trainingssteuerung nach Herzfrequenz oder Puls

Bei den meisten aktuellen Sportuhren mit Puls-Messung lässt die Genauigkeit sehr zu wünschen übrig und dies markenübergreifend. Meinen Vergleichstest zwischen der Polar V800 und der Polar M430 haben viele gelesen. Als langjähriger Polar-Freund waren die Messergebnisse der optischen Messung mit der Polar M430 in vielen Trainingsläufen für mich und mein Laufcampus Trainerteam einfach unbefriedigend. Nochmals sei an dieser Stelle betont, dass unsere Unzufriedenheit auch für vergleichbare Produkte aus den Häusern Garmin, Suunto oder beispielsweise noch TomTom gilt.

Für uns Laufcampus Trainer ist die Trainingsplanung unsere Kernkompetenz. Unser Anspruch ist es die bestmöglichen Trainingspläne zu entwickeln. Die bewährte Laufcampus-Methode liefert uns dafür eine optimale Grundlage. Die Trainingspläne funktionieren aber nur wenn die Trainingssteuerung auch präzise möglich ist, hier vor allem die präzise Einhaltung der Herzfrequenz-Trainingsbereiche. Ist die Messung aber ungenau, hat deutliche Schwankungen von 10 bis 15 Schläge nach oben oder unten, verwirrt dies die Athleten zumindest, im schlimmsten Fall werden falsche Trainingsreize gesetzt. Eine genaue Messung der Puls- oder Herzfrequenz-Werte ist für uns Laufcampus Trainer und unsere Schützlinge daher essentiell. Die OH1 von Polar liefert hier einen Lichtblick.

Das Fazit vorne weggenommen: Der optische Puls-Sensor OH1 ist im Training zu meinem ständigen Begleiter geworden. Den Herzfrequenz-Sensor H10 ziehe ich aber nach wie vor für die Fitness- und Orthostatischen Tests am frühen Morgen an (Literatur-Empfehlung: „Die Geheimnisse individualisierten Trainings – Der Orthostatic Test im Ausdauersport“ von Laura und Kuno Hottenrott).

Bei meinem Vergleich M430 und V800 habe ich die gleichen Trainings mit beiden Uhren gemacht, die Uhren nicht gleichzeitig getragen, sondern die Trainings mit Abstand wiederholt. Die Abweichungen waren teilweise gravierend.

Vier Schwachpunkte habe ich in der HANDGELENK-Messung ausgemacht

  • Optische Sensoren sind sehr empfindlich gegenüber Bewegungen am Handgelenk. Deswegen setzen optische Sensoren von Polar den Beschleunigungssensor ein, der Bewegungsartefakte aus der sportlichen Belastung korrigieren soll. Die Ungenauigkeiten bleiben aber für Anwender offensichtlich.
  • Optische Sensoren am Handgelenk müssen sehr korrekt und eng am Handgelenk sitzen. Durch Bewegung des Produktes am Handgelenk durch „Uhr schauen“ oder „Ärmel hochziehen und Uhr bewegen“ oder „Handgelenk macht eine nicht filterbare Bewegung“ (starres Halten und dann wieder Laufbewegung) oder „Tastendrücken und was am Produkt machen“ kann es auch nach Meinung von Polar-Experten zu Ungenauigkeiten/Artefakten kommen. Diese oben beschriebenen Armbewegungen sind jedoch sporttypische Bewegungen und müssen möglich sein.
  • Optische Sensoren messen in einer Hautschicht-Tiefe, die erst nach einem entsprechenden Warm-Up so gut durchblutet ist, dass eine genaue Messung stattfinden kann. Diese Aufwärmphase kann nach meiner Erfahrung bis zu 20 Minuten dauern, das reicht mir als Trainer und Athlet aber nicht. Ich möchte, dass meine Sportuhr von Anfang an so funktioniert, wie ich es brauche.
  • Optische Sensoren haben eine gewisse physische Lethargie, da sie die Blutwelle messen, die aus dem Herzen ausgestoßen wird. Je weiter der Messpunkt vom Herzen entfernt ist, umso später reagiert die Anzeige aus optischer Messung.

Und genau diese vier Kritikpunkte gelten beim Einsatz des OH1 am OBERARM nicht

  • Die optische Messung mit dem OH1 am Oberarm ist unempfindlich gegenüber Bewegung.
  • Der OH1 kann eng und dennoch bequem am Oberarm getragen werden. Das Ablesen der Daten funktioniert über eine gekoppelte Polar-Uhr. Störungen der Messung durch ruckartige Bewegung habe ich trotz vielleicht 100 Tests, inklusive Sprint-Tests, HIIT oder Wettkämpfen nicht beobachtet. Die Messung schien mir stets präzise zu sein.
  • Der OH1 braucht keine Aufwärmphase, sondern lieferte mir stets plausible Werte ohne große Sprünge.
  • Die optische Messung mit dem OH1 am Handgelenk reagierte viel schneller, möglicherweise ähnlich schnell wie der Herzfrequenz-Sensor, auf Veränderungen der Belastung. Der kürzere Weg der Blutwelle vom Herzen zum linken Oberarm mag hier eine Rolle spielen.

Vorteil OH1 gegenüber M430

Ein nicht zu vergessender Vorteil ist die Nutzbarkeit der Produkte auch im Winter. Beide Geräte müssen eng auf der Haut getragen werden. Damit kann die M430 oder M200 nicht auf den langärmligen Textilien getragen werden, wie ich es im Winter üblicherweise mache. Was auch den einzigen für mich erkennbaren Nachteil mit sich bringt:

Nachteil OH1 gegenüber M430

Die OH1 speichert die Pulswerte und diese können später über die Polar Flow-App auch ausgelesen werden. Wer die Werte aber während des Trainings kontrollieren möchte, der braucht entweder eine zusätzliche gekoppelte Polar-Uhr (V800, M430, M400) oder muss ein gekoppeltes Smartphone mitführen.


Meine Empfehlung bezüglich Puls-Sensoren

Ich persönlich bleibe der Marke Polar treu und nutze weiterhin meine V800. Wie oben beschrieben, für die Fitness-Tests lege ich den Brustgurt mit Sensor an und für das Training nutze ich den OH1. Meinen Kunden empfehle ich

  • entweder ihre vorhandenen Uhren mit einem zusätzlich zu erwerbenden OH1 zu koppeln
  • oder eben beides neu zu kaufen, eine M430 zusammen mit einem OH1.

Wenn auf die Genauigkeit der Messung wert gelegt wird, dann sollte man den OH1 anziehen, wenn dies nicht nötig ist, dann reicht auch die M430.

Und hier noch ein paar grafische Belege für meine Zufriedenheit

In der letzten Woche hatte ich einen Laufband-Stufentest bei einem befreundeten Kollegen. Hier haben wir parallel gemessen, ich mit meiner Polar V800 und dem gekoppelten Puls-Sensor OH1. Mein Diagnostiker-Kollege hat mit der Polar RS800 und dem gekoppelten Herzfrequenz-Sensor H7 gemessen. Die grafische Übereinstimmung der Aufzeichnungen - mit zwei verschiedenen Programmen – ist auffällig, die RS800 wurde nur später gestartet.

Grafische Darstellung der Puls-/Herzfrequenzwerte eines Laufband-Stufentests am 15.08.2018

Aufzeichnung des Tests mit der Polar RS800 mit H7

Aufzeichnung der Polar V800 mit OH1

Hierzu noch die zu grundeliegenden Messergebnisse:

Maximalpuls (Hfmax)

  • Herzfrequenz-Sensor H7: 180
  • Puls-Sensor OH1: 181
km/h Herzfrequenz-Messung mit H7 Puls-Messung mit OH1
9,5 133 132
11,0 137 138
12,5 137 138
14,0 158 159
15,5 166 167
17,0 173 174
18,5 179 179

HIIT: Polar Testlauf am 03. August 2018

Und, nachdem ich bei meinem oben erwähnten Vergleich die Unterschiede beim HIIT besonders hervorgehoben habe, hier noch eine beliebige Trainingsaufzeichnung von hochintensivem Intervalltraining mit dem OH1, die die Genauigkeit untermauert.

Persönlicher Hinweis:

Zu guter Letzt der Hinweis, wie schon bei meinem ersten Test wurde ich von Seiten des Herstellers Polar weder zurückgehalten noch dazu motiviert, einen Produkttest zu veröffentlichen. Es ist mir aber ausdrücklich eine Freude, nach meiner überwiegend negativen Kritik, nun eine sehr positive Kritik folgen lassen zu können.

Links

Weitere Informationen zu den besprochenen Produkten finden Sie hier:

Polar | V800 | M430 | H10 | OH1