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Vergleich Polar M430 mit Polar V800

Vergleich Polar M430 mit Polar V800
von vor 7 Monaten 32247 mal angesehen 2 comments

Motiviert durch einen persönlichen Austausch mit zwei Polar-Experten habe ich mich mich im Februar 2018 nochmal auf die Polar M430 eingelassen, ein Trainingscomputer mit Pulsmessung durch optische Messung am Handgelenk. Nachdem ich mit den Aufzeichnungsergebnissen bei meinen ersten Einsätzen im Juli und August 2017 nicht zufrieden war, habe ich diese Technologie abgestempelt mit "Nicht gut genug für Laufcampus". Diese Meinung wollte ich nun nochmal überprüfen, in zweimal drei Trainings, mal mit der Polar M430 und mal mit der Polar V800 mit H10 Herzfrequenz-Sensor. Ist die modernere optische Pulsmessung am Handgelenk mit Leuchtdioden eventuell genau so gut wie die Herzfrequenzmessung mit Brustgurt und Herzfrequenz-Sensor? Ich wollte es in einem Test herausfinden.


Ergänzung am 20.08.2018: Die bessere Alternative zur Puls-Messung. Lesen Sie auch meinen Erfahrungsbericht zur optischen Puls-Messung mit dem Polar OH1 am Oberarm.


Eines vorweg: Warum bin ich sechs Mal zum Test ausgerückt und habe nicht beide Trainingscomputer bei nur drei Trainings gemeinsam angezogen und dann die Aufzeichnungen verglichen? Denn so hätte ich die identischen Trainingsbedingungen gehabt. Nun, ich wollte vermeiden, dass es zu - natürlich ungewollten - Kopplungen kommt, die die Aufzeichnungen der Polar M430 beeinflussen würden, also durch den Brustgurt und HF-Sensor, den ich für die V800-Läufe trug.

Getestet habe ich beide Trainingscomputer daher drei Mal. Jeweils einmal bei einem hochintensiven Intervalltraining (HIIT), bei einem zügigen Dauerlauf (ZDL) und einem mittleren Dauerlauf (MDL).

Zu den Bildern: Alle hier gezeigten Grafiken sind Screenshots aus der APP "Polar Flow". Zunächst sehen Sie beide Trainingsaufzeichnungen im Detail nebeneinander, dann jeweils vergößert die Aufzeichnung der Herzfrequenzwerte, um die es mir in dieser Besprechung in erster Linie geht.


HIIT: Polar Testläufe am 11. und 13. Februar 2018


HIIT: Die Aufzeichnungen der Polar M430 (links) und der Polar V800 (rechts) im Vergleich


HIIT: Die Pulswert-Aufzeichnungen der Polar M430


HIIT: Die Herzfrequenz-Aufzeichnungen der Polar V800


Üblicherweise mache ich natürlich keine zwei HIIT innerhalb von drei Tagen. Für diesen Test hat es sich aber ergeben.

Dieses Tempotraining mache ich häufig – so auch hier – auf dem Laufcampus-Parcours im Stadtwald Euskirchen. Auf dieser mit Laufrad präzise vermessenen Strecke stehen alle 200 Meter Hinweisschilder.

Im Wechsel bin ich zwölf mal 200 Meter in etwa 40 Sekunden gelaufen – dies entspricht meinem 1-Kilometerrenntempo – und dazwischen bin ich bis zum nächsten Hinweisschild 200 Meter getrabt. Wie jedes Tempotraining nach der Laufcampus-Methode wird auch HIIT durch Ein- und Auslaufen eingerahmt.


Vergleich HIIT mit der M430 am 11.02.2018 und HIIT mit der V800 am 13.02.2018

Beim zweiten HIIT am 13.02. mit der Polar V800 sieht man die bei Herzfrequenz-Aufzeichnungen eines Intervalltrainings mit Brustgurt und HF-Sensor gewohnten, gleichförmigen Herzfrequenzkurven. Die Herzfrequenzwerte steigen natürlich schnell an – schließlich laufe ich mein 1-Kilometerrenntempo – und fallen in der Trab-Phase wieder zügig ab. Ein wertvoller Hinweis für ein gut trainiertes Herzkreislaufsystem, der hilft, das Training zu kontrollieren und zu steuern.

Beim ersten Training mit der Polar M430 sind die aufgezeichneten Pulswerte nicht verwertbar. Die Tempoläufe und Trabphasen kann man nicht vernünftig in den Herzfrequenzaufzeichnungen ablesen und damit auswerten.

Steuerung des Tempotrainings nach Herzfrequenz

Eine sinnvolle Variation dieses Trainings wäre, die nächste Tempoverschärfung erst dann zu machen, wenn der Puls/die Herzfrequenz wieder ein bestimmtes vorher definiertes Niveau erreicht hat, z. B. auf unter 150 gefallen ist. Dieses Training wäre mit der Polar V800 seriös möglich, mit der Polar M430 leider nicht.

Was ferner unstimmig ist:

Meine aktuelle maximale Herzfrequenz liegt bei 183. Laut Aufzeichnung der Polar M430 wurde diese bei den 200-Meterläufen im 1er-Renntempo mehrfach überschritten, maximal wurden sogar 186 S/min gemessen. Eine offensichtliche Fehlmessung.

Dabei interessant:

Die Werte für die durchschnittliche Herzfrequenz des kompletten Trainings sind bei beiden Laufeinheiten dennoch fast identisch:

  • Polar M430 153 S/min Ø Herzfrequenz
  • Polar V800 154 S/min Ø Herzfrequenz

Da uns die Durchschnittswerte hier aber nicht interessieren, hilft dies dem Athleten oder Trainer nicht weiter.


ZDL: Polar Testläufe am 8. und 17. Februar 2018


ZDL: Die Aufzeichnungen der Polar M430 (links) und der Polar V800 (rechts) im Vergleich


ZDL: Die Pulswert-Aufzeichnungen der Polar M430


ZDL: Die Herzfrequenz-Aufzeichnungen der Polar V800


Dies ist ein Training, was ich im Laufe des Jahres häufig mache. Ein ZDL, den ich zur Formüberprüfung nutze. Dazu setzte ich den beim ZDL über die 7,2 Kilometer lange Teststrecke erreichten Durchschnittspuls in Relation zur Durchschnittsgeschwindigkeit und rechne hoch, was ich aktuell im Wettkampf wohl laufen könnte. Eine sehr präzise Messung der Herzfrequenz ist hier ganz besonders wichtig. Der ZDL wird natürlich eingerahmt von einer Einlauf- und einer Auslaufphase.

Meine Teststrecke ist kurvig, aber windgeschützt und präzise mit Laufrad vermessen. Abweichende Streckenangaben aus der GPS-Aufzeichnung spielen daher keine Rolle und sind bei diesem winkligen Parcours in einem dichten Wald nicht ungewöhnlich.

ZDL mit der M430 am 08.02.2018

  • Distanz: 7,2 Kilometer
  • Dauer: 33:06.8 min (Abschnitt 2 bis 3 in der Grafik)
  • Ø Herzfrequenz: 163
  • Ø Tempo: 4:36 min/km
  • Was bei dieser Messung unstimmig ist:
  • Der höchste von dem M430 gemessene Pulswert war bei diesem Training angeblich 180. Das stimmt garantiert nicht.
  • In den ersten 20 Minuten der Aufzeichnung ist die Herzfrequenz erkennbar unpräzise. Der Durchschnittspuls ist daher eigentlich nicht zu gebrauchen.

ZDL mit der V800 am 17.02.2018

  • Distanz: 7,2 Kilometer
  • Dauer: 31:26.8 min (Abschnitt 1 bis 2 in der Grafik)
  • Ø Herzfrequenz: 163
  • Ø Tempo: 4:26 min/km

Was unstimmig ist:

  • nichts

Deutung dieses Vergleichs:

Gemessen wurde der gleiche Durchschnittspuls bei stark unterschiedlichem Tempo. Entweder war die Tagesform eine deutlich andere oder die Ursache lag an einer unpräzisen Messung. Die Aufzeichnungen legen Letzteres nahe.


MDL: Polar Testläufe am 12. und 14. Februar 2018


MDL: Die Aufzeichnungen der Polar M430 (links) und der Polar V800 (rechts) im Vergleich


MDL: Die Pulswert-Aufzeichnungen der Polar M430


MDL: Die Herzfrequenz-Aufzeichnungen der Polar V800


Wie bei den übrigen Teststrecken auch, bin ich die identische Strecke gelaufen. Ohne auf die Uhr zu schauen, bin ich im gefühlten MDL gelaufen. Hier die Ergebnisse:

MDL mit der M430 am 12.02.2018

  • Dauer: 0:57:23 min
  • Distanz: 11,07 km
  • Ø Herzfrequenz: 146 S/min
  • Max. 170

MDL mit der Polar V800 am 14.02.2018

  • Dauer: 0:59:56 min
  • Distanz: 11,09 km
  • Ø Herzfrequenz: 138 S/min
  • Max. 148

Dieser Vergleich sieht doch auf den ersten Blick richtig gut aus. Die höheren Durchschnittswerte entsprechen dem höheren Tempo. Passt. Und die nur 20 Meter Differenz in der GPS-Messung zeigen die Präzision beider Polar Trainingscomputer. Sehr gut.

Wenn da nicht die von der Polar M430 bekannten Ausreißer beim Puls wären. Ohne Grund weist die Polar M430 einen maximal gemessenen Puls von 170 aus und zeigt über die gesamte Distanz etwas größerere Schwankungen in der Herzfrequenz. Dies ist für erfahrene Läufer, die nach Gefühl trainieren und sich im Anschluss ihre Aufzeichnungen nur kontrollierend nochmal anschauen wollen, zu vernachlässigen. Ein befriedigendes Ergebnis.


Meine Empfehlung für Fitnesssportler und ambitionierte Athleten

Was mir an der Polar M430 nicht gefällt:

  • Wer nach der Laufcampus-Methode trainiert und beim Dauerlauftraining präzise in seinen Herzfrequenz-Trainingsbereichen trainieren möchte, der wird mit der optischen Handgelenksmessung à la Polar M430 gelegentlich verzweifeln. Ausreißer von 10 bis 15 S/min sind bei der Polar M430 keine Seltenheit und waren bei mir auch die Regel, als ich die Polar M430 im Juli und August 2017 fast zwei Monate lang bei jedem Training genutzt habe.
  • Weitere Nachteile erkenne ich im Winter. Die Uhr muss auf der nackten Haut getragen werden und diese verschwindet im Winter oft unter ein bis zwei Lagen Funktionskleidung. Ein schneller kontrollierender Blick auf die Uhr ist hier nicht möglich. Wohl aber bei Uhren, die über den Ärmeln getragen werden können und dank Brustgurt mit Herzfrequenzmessung sicher funktionieren.
  • Darüber hinaus kann nach Angaben der Hersteller der Leuchtdioden für Trainingscomputer mit optischer Messung die Messgenauigkeit bei Menschen mit dunkler Haut, stark behaarter Haut und tätowierter Haut nicht gewährleistet werden.

Was mir an der Polar M430 gut gefällt:

  • Läufer und Läuferinnen, die das Tragen von Brustgurten als unbequem empfinden oder gar mit Hautabschürfungen zu kämpfen haben, finden mit der optischen Pulsmessung am Handgelenk eine recht ordentliche Alternative zur genaueren Herzfrequenzmessung.
  • Die GPS-Messung ist bei Polar grundsätzlich sehr zuverlässig – unabhängig vom Modell.

Mein Rat für Sie als Athlet oder Trainer

  • Als Fitness-Sportler, der seine Werte nicht so detailliert auswerten möchte, wie dies ambitionierte Athleten und Lauftrainer wie ich gerne machen, werden Sie mit der Polar M430 überhaupt keine Probleme haben. Die Durchschnittswerte in den oben genannten Tests waren sehr ähnlich.
  • Der Profi-Tipp: Sie können Ihren Polar Trainingscomputer mit optischer Pulsmessung zusätzlich mit Herzfrequenz-Sensoren koppeln. Mit einem gekoppelten Herzfrequenz-Sensor (ich nutze den Sensor Polar H10) haben Sie die Wahl, diesen beim Training zu nutzen oder auf die Handgelenksmessung zu vertrauen.
  • Wenn Ihnen das Training in Ihren Herzfrequenz-Trainingsbereichen wichtig ist, weil Sie die Trainingszonen idealerweise über das gesamte Training nicht verlassen möchten, dann sollten Sie auch künftig weiter den Herzfrequenz-Sensoren vertrauen.
  • Wenn Ihnen, beim Wettkampf und Intervalltraining zum Beispiel, die gemessenen HF-Werte nicht so wichtig sind, dann können Sie künftig den Brustgurt getrost zu Hause lassen.

Persönlicher Hinweis:

Ich (der Autor) bin seit vielen Jahren Freund der Marke Polar. Zu diesem Vergleichstest wurde ich weder von Polar ermutigt noch wurde mir hier abgeraten. Ich halte diesen Vergleich für wichtig, um Athleten und Trainern in diesen Zeiten der Technologieänderung eine Orientierung abseits von Werbeversprechen zu geben. Vermutlich würden ähnliche Ergebnisse auch bei Tests von Produkten anderer Marken entstehen.

Links

Weitere Informationen zu den besprochenen Produkten finden Sie hier:

Polar | V800 | M430 | H10

HaPeFranke.de vor 7 Monaten at 17:23
Sehr ausführlicher und gewissenhafter Test. Ich habe die selben Erfahrungen gemach da ich seid drei Monaten mit beiden Uhren laufe im Vergleich. Die Unterschiede werden noch viel größer sobald es unter fünf Grad Außentemperatur geht! Dabei ist aber auch zu sagen, daß der OH1 am Oberarm deutlich genauere Werte liefert als die Messung mit der M430 am Handgelenk. Somit ist zu ergänzen, daß nicht jede optische Messung "ungenau" ist.
Henning Hartmann vor 2 Monaten at 19:03
Ich finde den Test auch sehr gut. Jedoch verstehe ich nicht warum man die beiden Uhren Nicht pararrel trägt. Man hat ja zwei Arme :).