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​Über die Wechselwirkung von Laufen und Radfahren

​Über die Wechselwirkung von Laufen und Radfahren
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Wie Läufer vom Radfahren profitieren

Radfahren für Läufer gefährlich? Ich liebe Lauftreffs und die Gesellschaft anderer Läufer beim Training. Am meisten genieße ich die Fachsimpelei. Hier ergibt sich manch gute Idee, es wird aber auch viel „Halbgares“ verbreitet. So etwas greife ich als Trainer dann natürlich gerne als Stichwort auf. Schon ist eine schöne Diskussion im Gange und der lange Lauf ganz plötzlich vorbei. Hat keiner gemerkt, wieder 30 Kilometer im Sack und dabei schön geplaudert. Zwei der oft gehörten Behauptungen, hier zum Thema Laufen und Radfahren, möchte ich heute aufgreifen:

„Radfahren und Laufen verträgt sich nicht“

Haben Sie sicher auch schon mal gehört, oder? Gut, dass das die Triathleten nicht wissen... Alistair und Jonathan Brownlee sind bei den Olympischen Spielen 2016 über 10 Kilometer niedrige 31er-Zeiten gelaufen, nachdem sie das Schwimmen über 1,5 Kilometer und Radfahren über 40 Kilometer bereits in den Beinen hatten. Und der 2017er Ironman-Sieger Patrick Lange hat schon 2016 in der Hitze von Hawaii den Marathon-Streckenrekord in 2:39:45 Stunden aufgestellt. Vorher war er schon in Summe fünfeinhalb Stunden schwimmend (3,8 km) und radfahrend (180 km) unterwegs. Ganz schön schnell die Jungs. Und die Sportstudentin Laura Hottenrott erzählte mir nach ihrer Marathonpremiere in 2:34:43 Stunden beim Frankfurt Marathon 2017, dass sie zur Vorbereitung auf ihren ersten Marathon viele lange Einheiten mit dem Rad gemacht hat.

Und was gilt für uns Hobbysportler? Trainerkollege Matthias Marquardt spricht gerne von seinem äußerst geringen Lauftraining bei seinem Sub-3-Marathon (37 Kilometer im Wochenschnitt), was er durch viel Radtraining mehr als wettgemacht hat (bis zu 500 Kilometer pro Woche). Und ich ärgere mich gerade im Winter immer wieder mit den vielen Multisportlern rum, die mangels Schwimm- und Radwettbewerbern die eingefleischten Läufer bei Volksläufen über 10 Kilometer ärgern, einfach weil sie schneller sind.

Warum kann das funktionieren? Hier die kurze Antwort. Eine gute Fettverbrennung macht nicht nur schlank und ausdauernd, sondern auch schnell. Die Fettverbrennung kann man am effektivsten durch viele lange Einheiten verbessern. Mehr als einen langen Lauf pro Woche – über zweieinhalb Stunden und mehr – ist für Hobbysportler aber wegen der Stoßbelastung kaum möglich. Ein, zwei Radeinheiten über diese Dauer und sogar deutlich länger gehen körperlich gesehen aber locker. Samstags eine lange Radeinheit über 4 Stunden und sonntags ein langer Lauf über 3 Stunden, so bin auch ich meine 36er-Zeiten auf 10 Kilometer gelaufen.

„Gleichzeitig Marathontraining und Training für einen 10er-Wettkampf verträgt sich nicht“

Oh wohl! Zur Wiederholung: Was macht schnell? Ein effektiver Energiestoffwechsel mit einer guten Fettverbrennung. Denn Fette liefern mehr Bewegungsenergie als Kohlenhydrate. Wie verbessert man die Fettverbrennung? Durch vielen lange Läufe. Die beim Marathontraining zwingend notwendigen langen Einheiten machen also auch über kürzere Strecken schneller, wie viele Marathonläufer zu berichten wissen. Und welches Risiko bringen die langen Läufe mit sich? Den durch das lange und langsame Laufen drohenden Schlappschritt. Wie beugt man dem am besten vor? Durch kurze und knackige Intervalle, wie man sie beim Training auf einen 10-Kilometerwettkampf üblicherweise macht. Nicht nur Lauf-ABC, auch kurze Intervalle schulen die Bewegungsökonomie, sorgen für einen athletischeren Laufstil z. B. durch eine längere Flugphase bei gleichem Krafteinsatz. 10er- und Marathontraining können sich also sehr befruchten.

In diesem Sinne freue ich mich auf meinen nächsten Lauftreff und weitere Munition für Fachsimpeleien. Viel Freude und Erfolg beim Laufen wünscht Ihnen

Ihr Andreas Butz


(Dieser Artikel erschien in gekürzter Version im März 2018 im Magazin "Läuft")


Nachtrag:

Was Läufer und Radfahrer noch so verbindet: Die Liebe zu Mallorca